Soziales Engagement

Manchmal frage ich mich, wann ein Mensch eigentlich zum „Angehörigen“ wird. Vielleicht beginnt es genau in dem Moment, in dem Verantwortung plötzlich selbstverständlich wird und der eigene Alltag leise in den Hintergrund rückt.

Herausforderungen wirken oft wie ein Lichtkegel, der unseren Blick auf einen einzigen Punkt lenkt. Mich interessiert, was geschieht, wenn dieser Lichtkegel größer wird. Denn dann wird der Mensch hinter der Herausforderung sichtbar. Vielleicht schreibe ich genau deshalb die Bücher, Kolumnen und Vorträge, die heute entstehen.

Wohin mich diese Fragen geführt haben:

Angehörige begleiten

Mit einer Demenzdiagnose kommt selten nur eine Person nach Hause. Fast unbemerkt zieht auch eine neue Verantwortung mit ein. Sie sitzt auch am Frühstückstisch, fährt zu Arztterminen mit und entscheidet oft darüber, wie der Tag verläuft. Langsam aber sicher merkt man, dass aus ein paar Handgriffen längst ein neuer Alltag geworden ist.

Seit vielen Jahren begleite ich Menschen, die diesen Weg gehen. Dabei begegnen mir immer wieder dieselben Fragen. Warum tragen pflegende An- und Zugehörige eine so große Verantwortung, bleiben aber gleichzeitig oft unsichtbar? Und warum wird ihre Leistung meist erst dann wahrgenommen, wenn sie nicht mehr da ist?

Deshalb engagiere ich mich seit vielen Jahren ehrenamtlich für An- und Zugehörige von Menschen mit Demenzdiagnose. Als Vizepräsidentin der Interessengemeinschaft Pflegende Angehörige setze ich mich dafür ein, dass ihre Erfahrungen und Anliegen stärker gehört werden.

Interessen vertreten

Vieles funktioniert nur, weil An- und Zugehörige längst eingesprungen sind. Sie sitzen in Wartezimmern, telefonieren Stellen hinterher, organisieren Termine und tragen Entscheidungen mit, die eigentlich auf mehreren Schultern liegen sollten. Meist fällt das erst auf, wenn ihre Kraft nicht mehr reicht.

Genau dort beginnen meine Fragen. Warum werden viele Probleme erst sichtbar, wenn Menschen nicht mehr können? Und warum hören wir den Erfahrungen jener oft erst zu, wenn längst etwas schiefgelaufen ist? Deshalb engagiere ich mich dafür, dass diese Stimmen dort gehört werden, wo über Rahmenbedingungen entschieden wird.

Vorträge und Diskussionen

Mich interessiert selten die schnelle Antwort. Mich interessieren die Fragen, die bleiben, wenn eine Veranstaltung längst vorbei ist. Genau dort beginnen für mich gute Gespräche.

In meinen Vorträgen stehen deshalb nicht Diagnosen oder Fachwissen im Mittelpunkt. Es geht um Menschen, ihre Lebensrealitäten und die Fragen, die daraus entstehen. Erfahrungen aus der Praxis, wissenschaftliche Erkenntnisse und die Gedanken des Publikums begegnen einander auf Augenhöhe. Daraus entstehen Gespräche, die oft noch lange nach der Veranstaltung weiterwirken.

Zu den schönsten Momenten nach einem Vortrag gehört für mich, wenn jemand sagt: „So habe ich das noch nie gesehen.“ Und manchmal kann ich antworten: „Für mich war heute auch einiges neu“

Am Ende bleibt immer der Mensch. Alles andere entscheidet sich daran, wie wir ihm begegnen.